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Im Zentrum Melanie Alievas künstlerischer Praxis stehen Malerei und Film. Inhaltlich untersucht sie, wie zwischenmenschliche Erfahrungen von Angst im Spannungsfeld von Vertrauen, Illusion und gesellschaftlichen Narrativen verhandelt werden. Dabei stellt sie die Frage, wie Erinnerungen verzerrt, unterdrückt, romantisiert oder umgeschrieben werden und wie sich diese Prozesse mit Formen von Vertrauen verbinden, die häufig als naiv abgewertet werden.

Die Künstlerin liest feministische, gotische, mythologische sowie internetbasierte und popkulturelle Narrative neu und setzt sie in Beziehung zueinander. Dazu gehören sowohl gotische Märchenadaptionen wie The Company of Wolves (Carter, 1979; Jordan, 1984) als auch zeitgenössische Online-Diskurse wie die „Man or Bear“-Debatte oder Motive wie der „Red Room“. Diese Bezüge verschränken sich mit persönlichen und kollektiven Erfahrungen von Nostalgie, emotionalem Missbrauch, Begehren, Gewalt, Täuschung und Angst.

Zentral für ihre Arbeit ist Julia Kristevas Konzept der „Abjection“, das Zustände beschreibt, in denen Grenzen zwischen Selbst und Anderem, Sicherheit und Bedrohung sowie Erinnerung und Imagination verschwimmen. Viele ihrer Arbeiten kreisen um den gleichzeitigen Impuls, Gefahr zurückzuweisen und sie zugleich zu halten oder zu nähren.

Vor diesem Hintergrund untersucht Melanie Alieva Angst als ambivalente Erfahrung, die zwischen Faszination und der Romantisierung potenzieller Gefahr oszilliert. Sie bewegt sich zwischen Vertrauen in Intuition und erlernten Narrativen und zeigt sich in Impulsen zu fliehen, zurückzukehren, sich zu verbergen, zu träumen, zu erinnern, zu vergessen, zu vermissen oder zu bereuen.

In ihren Malereien und Videoarbeiten erscheinen häufig junge Frauen und Tiere in ambivalenten Landschaften, die zwischen Schutz und Bedrohung, Neugier und Naivität, Vergangenheit und Gegenwart sowie Erinnerung und Imagination schweben. Die Arbeiten verbinden Atmosphären von Unheimlichkeit, Zärtlichkeit, „naiver“ Fürsorge, Verletzlichkeit und Vertrauen. Viele Werke kreisen um den gleichzeitigen Impuls, einer potenziellen Gefahr zu widerstehen und sie zugleich zu nähren. Sie spiegeln einen inneren Konflikt zwischen Erinnerung, Intuition und erlernten Narrativen.

Ihr Arbeitsprozess beginnt häufig mit eigenen Fotografien, Videoarbeiten oder Kurzfilmen, aus denen sie Filmstills als Ausgangspunkt für Malerei entwickelt. Das Bewegtbild ist zentral für ihre visuelle Sprache, ebenso wie die Ästhetik des „poor image“ (Steyerl, 2009). Besonders interessieren sie fragmentierte Perspektiven, gekippte Horizonte, gedehnte Bildräume und Splitscreens als Mittel der Verunsicherung und Instabilität.

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